Do's & Don'ts der Homeoffice-Beleuchtung

Beim Thema Büroausstattung ist Licht ein Kapitel für sich.

Das gilt natürlich auch weiterführend für unser Office zuhause, hier wird es aber etwas spezifischer.

Denn zu den Beleuchtungs-Empfehlungen, die sich auf den gesundheitlichen Aspekt beziehen, gesellen sich der persönliche Geschmack und die Vorstellungen, die ich von meinem Raumdesign zuhause habe.

Keiner kennt sich mit diesem Spagat so gut aus wie die großartige Lichtplanerin Andrea Meisinger (lop).

Da bei meinen Kunden im Homeoffice das Thema „gute Arbeitsbeleuchtung“ immer wieder auftaucht, habe ich Andrea nach ein paar Leitlinien gefragt … und viele hilfreiche Antworten bekommen.

Viel Spaß beim Lesen dieses Interviews!

Andrea, was gehört zu einer guten Arbeitsbeleuchtung?

Als erstes muss ich darauf hinweisen: Es gibt kein besseres Licht als Tageslicht! Auch zum Arbeiten.
Wir sollten generell alle darauf achten, dass wir regelmäßig rausgehen.
Tageslicht ist konkurrenzlos.

Eine gute Arbeitsbeleuchtung sollte zunächst einmal hell und zugleich blendfrei sein.

Wichtig ist auch, dass der Kontrast zwischen Raumbeleuchtung und Arbeitsplatzbeleuchtung nicht zu groß ist, sonst ermüden die Augen zu stark.

Außerdem sollte man darauf achten, dass sich das Licht nicht im Bildschirm widerspiegelt.
Besonders gut klappt das mit einer Schreibtischleuchte mit Gelenkarm, z.B. einer klassischen Architektenleuchte.

Also, wenn es irgendwie geht: eine bewegliche Schreibtischleuchte nehmen.

Was empfiehlst du speziell für das Homeoffice, woran sollte man nicht sparen?

Ich gehe dabei mal von einem Bildschirmarbeitsplatz aus. Gerade für das improvisierte Homeoffice – in dem sich ja viele von uns zur Zeit befinden – tut es auch die Ikea Klemmleuchte.

Wichtig ist es auf ein gutes Leuchtmittel zu achten und den Hell-Dunkel-Kontrast zwischen Arbeitsfläche und dem restlichen Raum zu verringern.

Wie kann ich diesen Kontrast verringern?

Dafür kann es auch schon ausreichen, noch eine andere Lichtquelle mit im Zimmer angeschaltet zu haben, wenn ich beispielsweise abends noch zuhause arbeite.

Wenn ich dann zwischen Bildschirm und dem Raum hin und herblicke, ist der Kontrast schon nicht mehr so krass.

Und wenn ich mein Homeoffice längerfristig plane?

Wenn ich mir ein Homeoffice für längere Zeit einrichte, empfehlen sich zum Beispiel spezielle Arbeits-Stehleuchten.

Diese sind mit einem Prismenglas ausgestattet, das entblendet ist.

Die Stehleuchten werden neben den Schreibtisch gestellt, leuchten diesen flächig und gleichmäßig aus und vor allem: sie geben auch nach oben hin Licht ab, sorgen also gleichzeitig für eine gute Allgemeinbeleuchtung.

Je nach Größe des Raumes benötigt man also keine zusätzliche Leuchte mehr.

Es gibt solche Arbeitsplatzleuchten auch als Pendelleuchte in eher länglicher Form, die man sich in 60-70 cm Höhe über den Schreibtisch hängen kann.
Der Schreibtisch wird dann gleichmäßig ausgeleuchtet.

Generell sollte man beim Kauf einer solchen Leuchte darauf achten, dass sie für die Arbeit am Bildschirm geeignet, also entblendet, ist.

Du sprachst das Thema Leuchtmittel an. Gibt es starke Qualitätsunterschiede unter den Marken? Präferierst du eine bestimmte Marke?

Es ist so, dass es gerade im Bereich LED sehr starke qualitative Unterschiede gibt.

Einige Modelle pulsieren durch den Wechselstrom so stark, dass es in der Lichtwirkung zu kleinen Aussetzern kommt, einer Art Flimmern.

Manche Menschen reagieren empfindlich darauf, bekommen davon Kopfschmerzen.

Meine Empfehlung dazu ist die Website derlichtpeter.de.
Er hat bereits über 500 Leuchtmittel auf dieses Flimmern getestet, darunter welche aus dem Baumarkt, Markenartikel – querbeet.

Wenn man da empfindlich ist, empfiehlt es sich definitiv dort mal in die Tests zu schauen.

Ich habe dort selbst auch schon Lampen (ein Markenprodukt) testen lassen, von denen mein Sohn sagte „Mama, die surren irgendwie.“ Und tatsächlich konnte „DerLichtpeter“ einen hohen Flimmerfaktor feststellen.

Ansonsten sollte man darauf achten, dass das Leuchtmittel nicht über den Rand des Lampenschirms hinweg guckt.

Gerade bei Energiesparlampen sehe ich das oft, das ist dann immer besonders schön (lacht).
Man hat dann immer einen hellen Fleck im Augenwinkel, der blendet und irritiert.

Hast du generelle Empfehlungen zur Bildschirmnutzung? Wie kann man sich vor zu viel Bluelight schützen?

Generell sollte man die Bildschirmhelligkeit am Abend etwas runterschrauben.

Fast jeder Bildschirm hat mittlerweile einen Nachtmodus: unbedingt nutzen!

Das gilt sowohl für Laptop als auch für das Smartphone. Das iPhone hat diese Funktion automatisch mit dabei, für ältere Modelle gibt es auch entsprechende Apps, wie zum Beispiel f.lux, mit der man den Tag- und Nachtmodus regulieren kann.

Falls jemand noch tiefer in die Materie einsteigen will: Hast du noch technische Daten, an denen man sich für die optimale Beleuchtung des Arbeitsplatzes orientieren kann?

Früher sprach man immer von der Wattangabe.

Diese sagt aus wie hoch die Leistung eines Leuchtmittels ist, also wieviel Strom fließt.

Heute ist die Einheit Lumen entscheidender. Lumen gibt die Helligkeit an.

Nach den Arbeitsstättenrichtlinien sollten mindestens 500, gerne 750 lux auf dem Schreibtisch messbar sein.

Was dazu noch wichtig zu wissen ist: die Lichthelligkeit nimmt im Laufe der Zeit bei allen Leuchtmitteln ab.

Messen kann man diesen Wert mit einem Luxmeter oder mit der App „Lightmeter“.

Je höher der Kelvin-Wert, umso weißer ist das Licht.

Tagsüber sollte dieser Wert zwischen 4000 und 5000 K liegen, zum Abend hin zirka 2700 K betragen, also eher warmweiß.

Das Warmweiß am Abend ist wichtig, damit der Körper runterfahren kann und man besser abschalten kann.

Dann wäre da noch die Leuchtdichte, die man berechnen kann.

Die Beleuchtungsstärke ist das, was z.B. auf einer Arbeitsfläche gemessen wird und die Leuchtdichte gibt an, was das menschliche Auge davon wahrnimmt.

Der Effekt wird klar, wenn man von einem weißen Blatt Papier auf eine dunkle Oberfläche schaut.

Deshalb ist es auch wichtig, bei der Lichtwirkung auch den Schreibtisch und den umgebenden Raum mit seinen Oberflächen mit zu berücksichtigen.

Wo macht es Sinn mit indirektem Licht zu arbeiten?

Immer dort, wo auf einer hochglänzenden Oberfläche gearbeitet wird.

Wenn ich beispielsweise an einem Tisch mit Glasplatte arbeite und darüber Strahler hängen habe, wird das Licht von dort immer reflektieren und mich blenden.
In diesem Fall kann ich entweder eine Tischdecke nutzen, die Tischplatte oder den Tisch austauschen, oder eben mit indirektem Licht arbeiten.
Das heißt: ich bringe das Licht in Richtung Decke und es wird von dort reflektiert.

Spielt unser Alter bei der optimalen Beleuchtung eine Rolle?

Je älter wir werden, desto mehr Helligkeit brauchen wir. Früher habe ich darüber gelächelt, heute merke ich es selber! (lacht)

Ein ungefährer Richtwert:

Ein 60jähriger braucht gegenüber einem 20jährigen zirka 4x mehr Helligkeit!

Deshalb kommt es auch bei der Arbeitsplatzausstattung drauf an zu schauen, wie alt der- oder diejenige ist, die dort arbeiten soll. Aber auch: was sind die persönlichen Vorlieben.

Was meinst du mit Vorlieben?

Naja, ich treffe die Entscheidungen in der Lichtplanung natürlich auch nach: was sagt das Arbeitsschutzgesetz und welches Licht ist gesund für denjenigen, der dort arbeitet.

Aber der persönliche Geschmack spielt natürlich auch eine große Rolle.

Eine Dame, die ich hinsichtlich ihrer Arbeitsplatz-Beleuchtung zuhause beraten habe, sagte mir „Also, ich mache die Deckenleuchte sowieso immer aus.“
Da kann man dann auch nichts machen und das ist dann auch ok.

Du arbeitest ja sowohl für Unternehmen als auch für Privatkunden. Wann macht es Sinn eine Lichtplanerin miteinzubeziehen? Kannst du einmal deine Arbeit beschreiben?

Ich biete zum einen Lichtberatung an, das heißt, Privatkunden können sich bei mir melden, wenn sie mit einer bestehenden Lichtsituation unzufrieden sind.

Ich komme dann vorbei, berate, was man in den Räumlichkeiten machen kann und derjenige kann es dann selber umsetzen.

Ich erstelle auch Komplettkonzepte.

Dafür bekomme ich meist vorher ein Budget genannt, schönes Design ist dabei nicht unbedingt mit hochpreisig gleichzusetzen.

Ich arbeite schon sehr lange mit Licht und habe einen guten Überblick über die Preissegmente. Es muss nicht immer das teuerste sein.

Wenn jemand seine Wohnung umbauen oder renovieren möchte, gehe ich mit den Bauherren anhand des Grundrisses durch das Haus.
Ich frage verschiedene Situationen ab: z.B. wo der Esstisch und wo das Kinderzimmer hinkommt oder wo gelesen wird.

In jedem Bereich braucht man eine andere Lichtwirkung.

Dann geht es in die detaillierte Planung und ich schaue, wo man z.B. Licht in Einbauten mit einplanen kann, wo Steckdosen für Stehleuchten hinkommen usw.

Ich stelle das Design so zusammen, dass es auch mit der Inneneinrichtung harmoniert.

Manchmal lief es aber auch anders herum: nachdem ich aktiv war und die neuen Leuchten installiert waren, haben die Kunden noch ein paar Einrichtungsstücke passend zur Lichtplanung geändert.

Woran würdest du persönlich in Bezug auf Beleuchtung nicht sparen?

Für die Beleuchtung einer Besenkammer oder Hauswirtschaftsraumes, kann man auch in den Baumarkt fahren, um eine funktionelle Leuchte zu kaufen.

Ich persönlich gebe aber für eine tolle Stehleuchte gern auch mal Geld aus.

Meine Lieblingsleuchte ist die WG 24 von Wagenfeld.

Gutes Licht im Wohnraum macht so viel aus. Es lohnt sich, gerade auch im Bereich Homeoffice darauf zu achten.

Für die eigene Gesundheit, Wohlbefinden und Produktivität!

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