Warum dir dein Homeoffice egal sein kann (Whaaat?)

Seit ich selbstständig bin (also seit ca. 8 Jahren) arbeite ich im Homeoffice. Mal mehr mal weniger: mal bin ich mehr im Coworkingspace oder habe Termine in der Welt “da draußen”. Aber meine Base ist und war immer mein Arbeitsplatz zuhause.

Seit ein paar Wochen beschäftigt mich aber trotzdem nur eine Frage:
Wie wichtig ist es eigentlich wirklich ein gutes Homeoffice zu haben?

Wenn du mich schon etwas kennst, fragst dich jetzt vielleicht: “Warum stellt sie das infrage? Sie predigt doch die ganze Zeit, wie IMMENS wichtig das Homeoffice für unsere Arbeit ist!”

Richtig. Das tue ich.

Aber mir ist etwas aufgefallen.

Es reicht nicht aus.

Dein Homeoffice kann dir erst einmal egal sein, wenn zwei andere Punkte für dich noch ungeklärt sind.

Und damit meine ich jetzt nicht die Themen, die seit einem Jahr in einem Atemzug mit Homeoffice genannt werden (a.k.a. Homeschooling, Kinderbetreuung, fehlende soziale Kontakte).

Sondern folgendes:

Punkt 1: Du bist beruflich nicht gefestigt

Du stehst ganz am Anfang mit deinem Business. Oder du weißt noch nicht, ob du den Sprung in die Selbstständigkeit wagen sollst.

Du bist in einem Angestellten-Job, der dich unzufrieden macht. Du bist dir unsicher, ob und wie lange du das noch so machst.

Du bist in Elternzeit und weißt noch nicht, ob du in deinen alten Job zurückgehst, oder etwas neues anfängst.

Diese Beispiele sind typische Übergangsphasen. Dies sind einfach Phasen im Leben (wir alle kennen sie! Ich auch, nur zu gut!), an denen man an der Straßenkreuzung steht und einfach noch nicht genau weiß, in welche Richtung es weitergeht.
Vielleicht sieht man die Straße auch noch nicht mal, auf der man weitercruisen könnte.

Wenn du dich in so einer Phase befindest, brauchst du dich erstmal überhaupt nicht mit deinem Homeoffice beschäftigen – und solltest definitiv kein großes Geld in dieses investieren.

Vielleicht wechselst du den Job und hast dann ein wundervolles Einzelbüro und benötigst gar kein Homeoffice.

Oder: du richtest dir deine Arbeitsecke zum Business-Start aufwändig ein – und stellst fest, dass du gerade am Anfang doch lieber den Austausch im Coworkingspace benötigst (wenn das bald wieder besser möglich ist).

Oder, dass du sowieso am liebsten an deinem großen Esstisch sitzt um dein schlankes Business, für das du nur deinen Laptop brauchst, so richtig zu zelebrieren.
Ich habe das selbst die ersten Jahre gern so gemacht, weil ich Cafés und Café-Atmosphäre beim Arbeiten so liebe :)
Wenn du noch ein bisschen Inspiration brauchst, wie du auch ohne abgetrenntes Arbeitszimmer gut zuhause arbeiten kannst, schau mal in diesem Blogartikel vorbei.

Punkt 2: Du fühlst dich in deinem Zuhause nicht wohl

Stell dir vor, all deine Küchenschränke und Regale, in denen dein Geschirr untergebracht ist, stürzen ein.

Alles fällt runter, 1000 Scherben, nichts bleibt heil.

Und nun suchst du dir 5 Scherben und klebst sie wieder zu einem Teller zusammen, weil du denkst: "hey, dann habe ich wenigstens einen Teller von dem ich essen kann!"

Den Rest lässt du einfach auf dem Boden liegen.

Warum ich dir das erzähle?

Weil es um genau das geht:
Wenn du dich grundsätzlich in deinem Zuhause nicht wohl fühlst und gar nicht richtig benennen kannst, warum das so ist, dann wird es dir nichts bringen, wenn du EINEN funktionierenden Raum (dein Top-Homeoffice) hast.

Ähnlich: Eine Firma kann nicht auf Dauer erfolgreich sein, wenn die Firmenkultur ein einziger Scherbenhaufen ist. Es wird vielleicht kurz funktionieren, aber dann häufen sich die Krankmeldungen, es herrscht vielleicht starke Konkurrenz unter den einzelnen Teams oder Abteilungsleiter*innen… und auf lange Sicht werden Firmen mit einer großartigen Firmenkultur an ihnen vorbeiziehen.

Zurück zu deinem Homeoffice.

Vielleicht ahnst du worauf ich hinaus will: Wenn du dich zuhause grundsätzlich nicht wohl fühlst hast du zwei Möglichkeiten.

Entweder du findest deinen Weg, nicht im Homeoffice zu arbeiten (vielleicht musst du es ja gar nicht?) und hältst dich so viel wie möglich an anderen Orten als Zuhause auf. Dies ist, wie du dir vielleicht vorstellen kannst, keine Ideallösung.

Oder: Du gehst der Sache auf den Grund und spürst einmal genauer hin, woran dein Unwohlsein liegen könnte.

Dafür ein paar Impuls-Fragen für dich:

— Gibt es offensichtliche Gründe, dass du dich nicht wohlfühlst? z.B. ständige Unordnung und Chaos, vielleicht auch von Familienmitgliedern oder Mitbewohner*innen verursacht?

— Ist deine Wohnung zu klein / dunkel, hast du das Gefühl keinen Raum und keine Luft zum Atmen zu haben?

— Bewegst du dich immer leicht “kletternd” durch dein Zuhause, oder hast du das Gefühl, dich zwischen Möbeln oder durch Türen seitlich hindurch bewegen zu müssen?
Dies ist ein Punkt, der uns mit der Zeit gar nicht mehr so auffällt.
Achte mal darauf! Auch z.B. wenn du deine Wohnung betrittst: lässt sich die Tür vollständig öffnen?

Gibt es freie Flächen in deinem Zuhause, an denen sich auch das Auge mal “ausruhen” kann?
Oder neigst du dazu, alle Flächen vollzustellen oder zu belegen? Gibt es Zonen in deinem Zuhause, in denen sich ganz automatisch immer Zeug ansammelt?

— Hast du das Gefühl generell (zu) viele Dinge bei dir zuhause zu haben? Bist du Herr*in über deinen materiellen Besitz oder beherrscht er dich?

Gehe diese Fragen einmal für dich durch und forsche direkt in deinem Zuhause nach.

Mein grundsätzlicher Rat an dich:

Dein Zuhause sollte deine Energie-Tankstelle sein.
Dies ist der Ort, an dem du runterkommen, dich entspannen und ganz du sein kannst.

Und das kannst du nur (!) wenn du dich in deinem Zuhause grundsätzlich wohlfühlst.

Im vergangenen Jahr wurde unserem Arbeitsplatz zuhause viel Gewicht gegeben. Aber dein volles Potential kannst du (auch bei der Arbeit) nur ausschöpfen, wenn du deine Energie-Tankstelle in Schuss hältst und nicht auf den besagten Scherbenhaufen baust.

Kümmere dich um dich.
Als erstes. Dann kann der Rest folgen und wunderbar werden.

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